Der erste Tag in Kuala Lumpur

Aussicht auf die Twin Towers vom Dach meines Hotels, leider verdeckt der eine den anderen.

Ich schreibe nicht sofort den nächsten Beitrag, weil mir langweilig ist, sondern weil in der kurzen Zeit so viel Interessantes passiert ist. Nicht nur im Außen. Zuerst muss ich jedoch vom Traum erzählen, den ich gerade hatte.

Träumen wie ein Regisseur

Nach fast 40 Stunden ohne Schlaf lag ich noch 1:30 Uhr hellwach im Bett, hatte die Fotos vom Tag bearbeitet, dabei einen Film geschaut (auf Englisch) und fragte mich, ob ich überhaupt einschlafen könne. Und warum ich mich so gut fühlte, obwohl die Anreise so anstrengend gewesen war und die Luft so schwül? Ich bewundere einfach meinen Körper und Geist, die so etwas echt gut aushalten.

Nach 10 Stunden Schlaf bin ich aufgewacht und habe einen Traum geträumt, der in sich komplett schlüssig war. Es war ein perfekter Film mit einem Gänsehautmoment am Ende, der das gesamte Geschehen erklärt und den Zuschauer vom Hocker haut. Es war ein sehr düsterer Streifen mit vielen Menschen, die mit der Zeit alle umgebracht wurden. Meistens wurden sie erschossen von anderen Menschen im Traum, die wenigsten von mir persönlich. Es gab viele Akteure, u.a. auch Reddington von Blacklist, was ich aber nicht weiter interpretiere. Wichtiger war, dass am Ende herauskommt, dass all die Menschen nur von mir eingebildet waren. Als die Hauptfigur wollte ich, dass sie Dinge tun, die ich gern hätte, und wenn das nicht so war, wurden sie aus dem Weg geschafft. Zum Schluss stehen alle in einem dunklen Wohnzimmer. Als ich eintrete, bin ich extrem verwundert, wie es sein kann, dass ich so reingelegt wurde. Bis jemand sagt, dass ich mir das alles nur eingebildet habe. Ich erinnere mich nur noch an den Abspann, in dem ich mit goldenen Gabeln in der Hand durch eine erhöhte, lange dunkle Gasse entlanglaufe und die Menschen, die mir entgegenkommen, einfach damit steche und über das Geländer werfe. Es ist ja eh nicht real und alles nur von mir erfunden. Mein Bruder kommt hinterher, ich sage ihm genau das, dass alles erfunden sei und ich deshalb tun kann, was ich will.

Da sagt er: „Und was ist dann damit?“ Und sticht mir mit einer der goldenen Gabeln ins Bein. Verrückt war nicht nur, dass ich bereits beim Aussprechen des Satzes wusste, was er tun wird und dass er damit Recht hat, sondern auch, dass ich den Schmerz physisch in meinem Traum spürte. Und dadurch aufwachte.

Leider kann ich die Atmosphäre und den gesamten Ablauf hier nicht ausführlich genug herüberbringen, doch für einen kurzen Einblick sollte das reichen. Schreib mir gern in die Kommentare, was du zu dem Traum sagst, oder ob ich daraus ein Buch schreiben sollte.

Dschungel, Hochhäuser und bunte Menschen

Wie bereits im ersten Artikel erwähnt, konnte ich den Tag nicht mit Schlafen verbringen. Also schnappte ich mir frische Klamotten, von denen ich ja nicht viele mithabe, und machte mich auf den Weg in die Stadt. Früher hatte ich die AppGRAB, mit der man sich einen privaten Fahrer überall hin bestellen kann. Da ich die Stadt aber gut kenne und sich mein Hotel eh im Zentrum befindet, lief ich diesmal. Meine Kamera durfte natürlich nicht fehlen.

Ich muss dazusagen, dass ich kein mobiles Internet hatte. Ich wollte mir welches holen, wofür ich extra ein Zweithandy mitgenommen hatte. Doch das werde ich wahrscheinlich gar nicht nutzen. Vielleicht erst für Reisen außerhalb KLs. Da könnte es wichtiger sein.

So stapfte ich als erstes in die Elektronik-Mall, in der es von Laptops, Handys, Kameras, Drohnen und noch so viel mehr Kram nur so wimmelt. Das Treiben dort erinnert auch sehr an die früheren polnischen Märkte, in denen man buntes Spielzeug angedreht bekam – hier waren es u.a. gefälschte iPhones und Tablets. Ich suchte aber nur nach einem Objektiv. Leider waren diese im Neuzustand nicht viel günstiger als in Deutschland. Also ging diese Suche erfolglos zu Ende.

Überall in der Stadt teilen sich Dschungel und Hochhäuser den Platz.

Mein erstes Porträt

Noch bevor ich überhaupt in dieser Mall ankam, hatte ich bereits ein erstes Porträt geschossen. Ein dunkelhäutiger Mann saß mit einer Sonnenbrille, der ein Glas fehlte, in einer Meile, in der die Frauen dich zu einer Massage überreden wollen. Ich befand mich also auf gefährlichem Gebiet. Aber als erfahrener Traveller weiß ich, wie ich diese Sprüche abwehren kann. Obwohl ich nur kurz ein Foto von ihm haben wollte, quatschte er mich auf halb Englisch, halb Malaysisch mehrere Minuten voll. Ich verstand, dass er meinen Namen wissen wollte. Diesen notierte er sich auf einem Zettel. Ich vermute, er wollte Wahrsager spielen und mir am Ende seines Rituals erzählen, was mich im Leben erwartete. Da alle um uns herum lachten und mich auch mit Massagenanfragen in Ruhe ließen, ging ich darauf ein. 

Ich habe großes Talent, genau bei solchen – man würde sagen „durchgeknallten“ – Leuten zu landen. Aber solange sie gutgelaunt herumbrüllen und niemandem etwas antun, habe ich damit kein Problem. Ich bekam ja das Porträt, im Austausch für 5 Ringgit, also etwa 1 Euro. Und obwohl er seine Brille nicht trägt und Stift und Block nicht in der Hand hält, war ich froh, dieses Foto zu bekommen. Was sagst du?

Ohne Sonnenbrille und Stift, dafür mit viel Lebensfreude

Das New York Asiens

Klar, ich war nicht in jeder großen Stadt Asiens, aber Kuala Lumpur vergleiche ich sehr mit New York. Ein Schmelztiegel aller Nationalitäten, ein Times Square mit riesigen, flackernden Bildschirmen, überall Glitzer, ein kochender Topf aus Arm und Reich, sagenhaft riesige Einkaufszentren (Malls) und keinen interessiert, dass man mit einer Kamera herumläuft. So entstanden ein paar schöne Fotos und Gespräche. Zum Beispiel mit einem Mann, der 3D-gedruckte, komplett bewegliche Drachen verkaufte und speziell gezeichnete Bilder erstellt. Er wollte leider nicht aufs Foto, doch viel wertvoller war das Gespräch mit ihm. Ich werde ihn heute wiedertreffen.

An einem Werbestand traf ich noch eine junge Frau, die mir von einer Werbeaktion erzählte und ein Foto von mir machte. Das war eine kleine und feine Unterhaltung, die mir am Ende aber weniger brachte. Dafür hatte ich zuvor eine unglaublich leckere Süßigkeit entdeckt – eine Art tschechischer Trdelnik mit Kakao eingerieben, Schokosoßenrand, Schokoeis inklusive Cornflakes in der Mitte und Schokoraspeln, Browniestückchen und Kitkat on top. Ich kann es jedem Schokoladenliebhaber sehr empfehlen. Das war insgesamt ein unglaubliches Geschmackserlebnis – eine Mischung aus Warm und Kalt und der Teig war weich und durch den Kakao sehr schokoladig. Nur diese Köstlichkeit zu essen, stellte sich als sehr schwierig heraus. 

Nach mehr als 15.000 Schritten kam ich am späten Nachmittag zurück ins Hotel, ruhte mich kurz aus und besuchte dann den Rooftop-Pool im 37. Stock. Es war bereits dunkel, all die Hochhäuser leuchteten und blinkten, was das Zeug hielt. Nur ein paar hundert Meter entfernt lieferte der Fernsehturm Menara Kuala Lumpur ­– der siebtgrößte Turm der Welt und 50 Meter größer als der Berliner Fernsehturm – eine Lichtperformance der Oberklasse ab. Ich habe so etwas noch nie woanders gesehen. Passend zur Rockmusik aus dem Dachrestaurant meines Hotels vertrieb er damit anscheinend das Unwetter. 

Jedenfalls half ich einer jungen Dame, ein Foto von ihr im Pool mit der Skyline im Hintergrund zu machen, und sie mir. So kam ich mit ihr und ihren zwei Freundinnen ins Gespräch. Die drei Mexikanerinnen waren für drei Wochen in Südostasien und blieben noch ein paar Tage in KL, bevor sie zurückflogen. Ich konnte ihnen viele Tipps geben. Vielleicht gehe ich beim Besuch des Schmetterlingsgartens einfach mit.

Spätes Abendessen und viel Regen

Kuala Lumpur bei Nacht – Aussicht vom Rooftop Pool

Nun hatte ich noch nichts gegessen, wollte aber die Stadt nochmal im Dunkeln erleben. Also lief ich schnurstracks in dieselbe Richtung wie tagsüber und aß etwas in einem indischen Foodcourt. Das ist weniger ein Restaurant, als vielmehr ein offener, aber überdachter Platz mit Metalltischen und einem Essensschaufenster. Man kann dann einen Teller Essen bestellen und die Zutaten frei wählen: Reis, Hähnchen, Schwein, verschiedene (sehr scharfe) Soßen, Eier, Brateier, Salat und Gemüse. Es schmeckte vorzüglich und war extrem scharf, was mir die Schweißperlen auf die Stirn trieb. Während diese auf den Tisch tropften, begann es wie aus Eimern zu schütten – ganz normal in Kuala Lumpur. Nur hatte ich keinen Schirm oder regenfeste Kleidung mit. Also nahm ich mir Zeit und lief dann irgendwann los. Und so nass wurde ich gar nicht. Mein Handy hatte ich bei diesem Ausflug übrigens direkt im Hotel gelassen.

Ich holte mir noch eine pinke Drachenfrucht für umgerechnet 1 Euro. Diese färben nicht nur die Zunge, sondern auch alles, was am Ende wieder unten rauskommt. Also nicht wundern!

Die pinken Drachenfrüchte sind runder und haben längere Zotteln als die weißen.

Aussichten

Damit endete mein erster Tag in KL, Malaysia. Mit großer Wahrscheinlichkeit werde ich mich bald nach Penang aufmachen und von dort nach Langkawi Island reisen. Ich habe Lust auf neue Orte und insbesondere auf eine Insel mit Strand und Meer. Dort lässt es sich bestimmt gut arbeiten. Mal sehen, wo ich in zwei Tagen sein werde.

Wenn du diesen Artikel amüsant, informativ oder einfach schön fandest, kannst du mir dafür gern eine Rückmeldung geben. Hast du einen Tipp für meine Reise – lass ihn mich wissen.

Danke für deine Zeit!

Martin

5 Gedanken zu “Der erste Tag in Kuala Lumpur

  1. Lieber Martin, danke für deine lebhaften wunderbaren Eindrücke aus dieser Stadt, untermalt mit wunderschönen Fotos. Auch das Porträt gefällt mir sehr, pure Lebensfreude. 👍🤩
    Zum Traum kann ich nur sagen, .. voll gruselig und brutal. Schaue schon lange keine solche Filme mehr oder lese keine solche Bücher. Es ist nicht real und trotzdem ist diese negative Energie vorhanden. Du schreibst, du wolltest im Traum, dass andere machen was du willst. Vielleicht bedeutet es, mach was du willst und lass die anderen machen, was sie wollen. Auch wenn es sich für dich nicht richtig anfühlt. 🙂 So, genug. Mal schauen, was andere so darüber denken.

    Ich freue mich schon auf die nächsten Fotos und Texte von dir, so lebhaft beschrieben, dass ich immer mittendrin dabei bin. 😃🙏 Bin gespannt.
    Ganz liebe Grüße und Knuddler von mir. 🥰🌸🌺🍀

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    1. ja, es könnte durchaus an dem Film gelegen haben. Aber auch, dass ich mache, was ich gut finde und will. Da bin ich ja jetzt auf jeden Fall dabei.

      Und Danke für deine lieben Worte. Ich habe die Texte mit großer Leidenschaft geschrieben, das ist nun die Resonanz dazu. 🙂

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  2. Ach Martin xD Du alter Lebenskünstler krass wie die Reise für mich genau so packend ist wie wahrscheinlich für Dich selbst. Wieder war es wie Heimkino für mich, mir lag der Duft des abendlichen Regenschauers in der Nase, dazu das Essen und der Lärm der Großstadt. Ich war noch nie in Asien aber gerade hast Du mit Deinem Text, mich ein Stück näher gebracht. Deine Bilder sind wieder mal so toll, dass ich Deine Leidenschaft und das können so bewundere. Ich nehme mir jetzt mein Cam und mach ein paar Street Fotos, nicht in Asien, dafür aber hier, im kalten Cottbus.

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