Der Park der Legenden

Beim Reisen ist jeder Tag ein ganz eigenes Leben, voller waschechter Erfahrungen und unwiederbringlicher Erlebnisse. So auch die Woche auf Langkawi. Nach der Jetskitour gab es noch andere Ereignisse, die mich überglücklich machten. Und dann traf ich ja noch die ein oder anderen interessanten Menschen auf meinem Weg.

Der große „Dataran Lang“ – Rotrückenadler, das Wahrzeichen der Insel, der ihr auch den Namen gab.

Taman Lagenda

Am fünften Tag auf Langkawi fuhren wir nach einem veganen Frühstück mit Live-Musik in den Osten der Insel. Dort sollte es einen Park voller Legenden geben. Die Tour dorthin war entspannend, ging links und rechts, hoch und runter und immer dabei zwei Wände tiefsten Dschungels, die undurchdringlich erschienen. Immer wieder sahen wir große, gelbe Hinweisschilder, die auf wilde Affen am Straßenrand aufmerksam machten. Und ja, genau da saßen sie dann auch.

Überall gibt es Hinweisschilder für die an der Straße sitzenden Affen.

Als wir den Park erreichten, war es extrem heiß, wenn überhaupt sogar der heißeste Tag der ganzen Reise. Kurz sahen wir uns noch die übergroße Adlerstatue am Pier an, denn der Adler ist das Tier Wahrzeichen von Langkawi. Immerhin heißt Adler auf Malaysisch „Lang“. Es leben wahrscheinlich tausende Adler in dieser Gegend (erkannte man schnell auf der Jetskitour!). Jedenfalls schlichen wir uns dann durch den kühleren Schatten der anmutig und gleichzeitig fremd wirkenden Bäume. Ich sollte an diesem Tag großes Glück haben, wilde Tiere auf Fotos einzufangen. Zum Beispiel mehrere Nashornvögel (Hornbills) und auch ein schwarzes Eichhörnchen. In diesem Park waren nun über zehn riesige Skulpturen zu finden, total bunt angemalt und sehr kreativ gestaltet. Mal eine Meerjungfrau, zwei Vögel in einem Teich, aus dem Boden ragende Hände, ein riesiger goldener Topf. Das alles waren Legenden, die in Malaysia immer noch erzählt werden. 

Es war jedoch auch ein Park, der wahrscheinlich schon etwas an Aufmerksamkeit verloren hatte. Es war sehr ruhig dort, ein paar Leute joggten durch die Alleen, andere mähten den Rasen. Ein paar einsame Straßenhunde streunten in sicherer Entfernung zu den Menschen herum. Rote Feuerameisen trugen komische graue Fetzen einen uralten Baum hinauf. Ich habe mal gelernt: Es ist niemals gar nichts los. Und so verbrachten wir eine Weile dort in dieser urwaldlichen Ruhe.

Was für ein Wurzelgeflecht. So in etwa sehen Mangrovenwälder aus. Nur war das hier ein Park.

Nashornvögel und Brillenlanguren

Später holten wir uns etwas zu essen und erforschten die Ecke noch ein bisschen. Als wir an eine Schranke zu einem Privatstrand kamen, wollte Giom dann lieber nach Hause. Als er vorfuhr, flogen zwei Nashornvögel auf die Straße vor mir und schnappten nach etwas. Ich zog sofort meine Kamera aus dem Rucksack und probierte ruhig zu bleiben und ihnen so nah wie möglich zu kommen. Während ich mit bloßem Auge nicht sehen konnte, was er da hatte, zeigte es sich auf dem Foto, das ich machte, sehr deutlich, was er gleich verspeisen würde – einen riesigen Hundertfüßer.

Ein Nashornvogel mit einem riesigen Hundertfüßer.

Total glücklich über die Fotos – es war einfach so unglaublich, was da gerade passiert war – wollte ich, voller Glück in mir, noch weiter nach tollen Motiven schauen. Am MAHA Tower traf ich noch drei junge Musliminnen, die mir hinterhergerufen hatten. Auf dem Heimweg bog ich spontan links rein und folgte ein paar anderen Motorrollern. Kurze Zeit später befand ich mich in einem ausgedehnten Wohngebiet, völlig ruhig gelegen und total unscheinbar. Deshalb fuhr ich mit offenem Mund langsam durch die Straßen und erkundete alles. So fiel mein Blick auch auf einen Brillenlangur, der auf einer Stromleitung saß, und auf mehrere schlafende Straßenkatzen.

Es stellte sich heraus, dass dieser Tag der erfolgreichste Fototag wurde und so empfand ich beim Bearbeiten pure Freude, Tränen der Glückseligkeit. Ich war dankbar, so viel Glück gehabt zu haben, um solchen Tieren zu begegnen. Und auch, dass ich die beste Technik zum Einfangen mithatte und diese zuverlässig arbeitete.

Treiben lassen

Die nächsten zwei Tage standen ganz im Zeichen, sich einfach treiben zu lassen. Ich fuhr nochmal in den Norden der Insel, besuchte einen eher abgelegenen Strand, an dem sich viele Locals trafen, danach einen Komplex, in dem viele verschiedene Handwerke ausgestellt wurden. Sogar über ein kleines Museum über die Geschichte des Handwerks in Malaysia stolperte ich da. Es war aber ein ruhiger Tag, an dem ich mir nicht viel Stress machte. Und das, obwohl ein sehr wichtiger Coin auf den Kryptomarkt kommen sollte. Jedoch verzögerte sich der Launch, sodass ich mir dachte: „Nun bin ich hier, jetzt will ich das auch genießen.“

Hast du schon mal 12 Menschen in/auf einem Auto gesehen? Deshalb sind Pickups hier in Malaysia so beliebt.

Nach einem weiteren Nasi Goreng – wahrscheinlich esse ich jeden Tag mindestens einmal Bratreis – fuhr ich jedoch zurück an den Cenang Beach, wo sich mein Hostel befand. Ich bezahlte übrigens knappe 6 Euro pro Übernachtung. Den Nachmittag verbrachte ich dann in einem eiskalten Starbucks direkt an der Walking Street am Strand. Das Internet dort war grottenschlecht, sodass ich zwar Fotos bearbeiten und Texte schreiben konnte, doch mehr als das auch nicht.

Als ich darauf keine Lust mehr hatte und das Café verließ, wurde ich von bunten, tanzenden Robotern auf der anderen Straßenseite angezogen. Plötzlich stand ich inmitten einer großen Schar Beobachter, direkt nebenan ein kleiner Night market. Ich entschied spontan, nach weißen Hemden zu schauen, doch die Suche blieb ohne Erfolg. Dafür wurde ich nun von etwas anderem angezogen: Der Feuershow am Strand. Zu lauter Musik zeigten junge Männer, die ich nicht älter als 18 schätzte, ihre besten Tricks mit den Feuerstäben und -kugeln. Es war eine atemberaubende Show, die Fähigkeiten der Teenager beeindruckten mich zutiefst.

Im Hintergrund leuchteten die grünen Lichter der Tintenfischboote am Horizont und am Himmel schien in schwachem Gelb die liegende Mondsichel. Wieder stand ich lächelnd da, froh über mein Leben und diesen Moment, und beobachtete das Geschehen, das mit schier unendlichen Eindrücken auf mich niederprasselte.

Letzter Tag auf Langkawi

Für mich brach am nächsten Morgen der letzte ganze Tag auf Langkawi an. Dennoch plante ich nichts Großes dafür. Ich saß eine Weile bei Lio im Büro, machte endlich die Fotos für das Porträt von ihr und später gingen wir mit Justin und Emily sowie einem neuen Bewohner meines Hostels – Justinus aus Litauen – an den Strand Baseball spielen. Bei der Hitze und auf dem heißen Sand war das Werfen durchaus anstrengend, sodass wir uns immer wieder im Wasser abkühlten.

Später aß ich mit Justinus – wie sollte es anders sein – Nasi Goreng. Wir hatten uns alle zu einem gemeinsamen Abend bei der Feuershow verabredet. Bis dahin entspannte ich noch in meinem Bett. Leider fand ich Giom nicht, der vergeblich irgendwo an der Mall auf uns wartete. Aber so ist das manchmal.

An diesem Abend gab es Alkohol, doch die Freiheit des Reisens tat den Rest dazu. Wir liefen den Strand entlang, bis wir auf eine Gruppe Männer stießen, die eine Boombox an den Strand gestellt hatten und zu nepalesischer Musik tanzten. Wir gesellten uns ganz einfach dazu und genossen die etwas andere Art des Tanzes. Ich glaube, es war 1 Uhr nachts, als wir uns zu fünft auf den Rückweg machten. Wir hatten beim Tanzen nämlich noch einen anderen Deutschen getroffen – Robin, der auf Reisen darauf verzichtete, Deutsch zu sprechen. Auf jeden Fall war dieser Abend ein gelungener Abschluss für meine Woche auf dieser Insel, die ich recht schnell in mein Herz geschlossen hatte.

Natürlich bedingt der Abschied von einem Ort auch die Ankunft an einem neuen. Wo es mich hintrieb und was für mitreißende Geschichten dort auf mich warteten, das erzähle ich dir beim nächsten Mal.

Martin

4 Gedanken zu “Der Park der Legenden

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