Koh Lipe – ein völliger Reinfall?!

Wo doch jeder nur positiv von dieser Insel spricht, erlaube ich mir solch einen Ausruf? Mit welchem Recht denn nur? Nun, ich bin gerne Reisender in diesem Land und ich bevorzuge das originale Erlebnis Thailand, also auch die Locals und das Leben, wie es ohne Touristen ist. Ich erzähle dir mal genau, was passiert ist.

Traumstrände und Alptraummüll

Koh Lipe ist eine sehr kleine Insel, die man in zwanzig Minuten zu Fuß durchqueren kann. Dafür gibt es die heiß begehrte Walking Street, vollgepackt mit Bars, Restaurants, Läden und allem, wofür man täglich so Geld ausgeben kann. Überall wird man lautstark begrüßt und mit Lockrufen angezogen. In meinen Ohren klingt noch die melodische Stimme des alten Thais, der Kokosnuss-Donuts verkaufte: „Ten Baht, ten Baht, ten Baht, ten Baht, Coconut Donut, Coconut Donut.“ Aber so funktioniert das halt, wenn ein so starker Konkurrenzkampf herrscht und jeder die Touristen für sich gewinnen will, wenn nicht sogar muss.

Die langen Boote mit dem lauten Motor – fast schon ein Wahrzeichen Südthailands, die Wassertaxis der Inselgegenden

Direkt nach Ankunft stapfte ich mit meiner Kamera jedoch erstmal den Strand entlang. Da ich vom Baseball auf Langkawi eine offene Blase unterm großen Zeh hatte, lief es sich eher schlecht. Und es war extrem heiß. So war ich direkt überfordert mit der Situation. Allerdings begeisterten mich die Resorts direkt am Strand. Manche hatten hölzerne Baumhäuser, andere kaskadenartige Konstrukte, die sich die hügeligen Erhebungen entlang platzierten. Ich konnte mir den Preis pro Übernachtung sicher nicht ausmalen. Aber irgendwann wird auch das für mich Realität, daran glaube ich.

Weniger schön war der Müll, der sowohl im Wasser trieb, als auch am ganzen Strand verteilt herumlag. Und das, obwohl man eine Gebühr von rund 6 Euro pro Person dafür zahlt, den Nationalpark, in dem Koh Lipe liegt, betreten zu dürfen. Sicher verschwindet das Geld in andere Hände. Leider!

Dieses Mal habe ich nicht angefangen, all den Müll aufzusammeln, da mir das Laufen weh tat und ich sowieso nur drei Nächte auf der Insel verbrachte. Da wollte ich lieber nur genießen. Da es nicht das erste Mal war, dass ich solche eigentlich traumhaft schönen Strände so verschmutzt sehe, hat es mich nicht schockiert, aber verstanden habe ich es auch nicht. Die Ignoranz der Gäste und die Unwissenheit der Einwohner ist ein gefährlicher Cocktail.

Schnorcheln mit Brandgefahr

Die Walking Street – gefüllt mit Touristen und allerhand Zeugs.

Nun, ich bin noch nie ein großer Fan von diesen touristischen Aktivitäten gewesen, jedoch ist es schwer, auf so einer Insel direkten Kontakt zu Locals zu finden, die dich dann nicht an genau dieselben Stellen führen. Also entschied ich mich für eine Schnorcheltour mit 6 Stationen, darunter zwei kurze Inselaufenthalte für Mittagessen und Fotos. Die anderen vier Stellen waren wunderschöne Korallenriffe mit bunten Fischen, mal größer, mal kleiner. Ich war anfangs etwas enttäuscht, weil ich keine Flossen bekam und habe mich erinnert, dass die Tauchermasken oft nicht passen und Wasser reinläuft. Am Ende bekam ich die Flossen vom Kapitän unseres Longboats, die aber so krass an meinen Zehen gerieben haben, dass nun 4 von 10 Zehen offene Wunden haben. Zum Glück hat der Rest aber gut gepasst und ich konnte das Wasser zu meinem Element machen. Endlich wieder Tauchen!

Dann kam ich noch auf die Idee, mein wasserdichtes iPhone 11 Pro zu nutzen, um ein Unterwasservideo aufzunehmen. Ich war echt erstaunt, wie gut das ging. Und dass es nicht sofort ausging, weil Wasser reinlief. Allerdings hat es später Probleme gemacht – meine Face ID geht nun nicht mehr und anfangs wollte es nicht mehr laden. Also auch da lief einiges schief. Und dann war da noch die heiße Mittagssonne, gepaart mit dem Salzwasser auf meinem Rücken, das dazu führte, dass ich trotz zweimaligen Eincremens doch einen komplett roten Rücken bekam. Ich war abends extrem schockiert über die Farbe und der Schmerz machte mich wahrlich traurig. Ich wollte meinem Körper so etwas gar nicht antun.

Kleine Menschen, große Herzen

Bei den Beschreibungen meiner Zeit auf diesem Eiland wird deutlich, dass es ein durchwachsenes Erlebnis war. Doch insgesamt überwog die Dankbarkeit, diese Insel kennenzulernen. Denn was sie so besonders macht, sind die Menschen, die sie als Heimat bezeichnen. Dazu gehörte der Hotelinhaber Nui, der mit seinem Service alle anderen in den Schatten stellte. Er tätigte sofort wichtige Anrufe für mich, gab mir eine Ermäßigung auf die zusätzliche dritte Nacht, die ich dort buchte und versuchte immer, mir alle „Probleme“ vom Hals zu schaffen. Ich habe selten so eine Gastfreundschaft erfahren dürfen wie dort, im Sea to Moon Lipe.

Weiterhin habe ich direkt am ersten Tag zwei Tätowierer fotografiert (Owl Town Tattoo), weil ich spontan das Gefühl hatte, ihnen diesen Dienst anzubieten. So entstanden nicht nur fantastische Porträts von kreativen Thais, ich bekam als Dank direkt einen Joint geschenkt. Ich stand fassungslos da und verstand erst nicht, dass Marihuana in Thailand seit letztem Jahr legal zu erwerben ist. Ich hatte davon keine Ahnung. Und das fand ich wirklich beachtlich, denn nirgendwo hingen irgendwelche „Kiffer“ herum und kamen auf ihr Leben nicht klar. Alles lief, wie es immer lief. Gras hatte keinen bedeutenden negativen Einfluss. Möglicherweise, weil ein Gramm mehr als doppelt so viel kostet wie in Deutschland. Somit zählt es vielleicht als Luxusgut. Am selben Abend war ich nach dem Sonnenuntergang am Strand in starken Regen geraten – mit total guter Laune. Ein Restaurantbesitzer winkte mich zu sich und bot mir ein Dach an, bis der Regen nachließ. Er gab mir sogar eine Flasche Wasser, in dem Vertrauen, dass ich es am nächsten Tag zahle, da ich kein Geld mitgenommen hatte. Wir quatschen unglaublich gut und er erzählte mir, dass er seit über 30 Jahren auf dieser kleinen Insel lebte. So, wie er das Wetter deuten konnte, glaubte ich ihm das sofort.

Sogar seine Augenlider sind tätowiert. Er ist Meister im Handpoking mit Bambusstab

Zurück zu den Tätowierern: Da sie in der Walking Street zu finden waren, traf ich sie immer auf dem Weg zu etwaigen Erledigungen. Einer der beiden zeigte mir liebend gern die Technik, mit der die Feuerartisten ihre Stäbe schwangen und drehten. Er selbst hatte sie von einem Meister gelernt. Wir sprachen darüber, wie das Leben als Künstler ist und wie gut es tut, andere Menschen vom gleichen Schlag anzutreffen. Die beiden waren so unglaublich liebe Menschen, die einfach ihrer Kunst nachgingen und alles hatten, was sie brauchten. Jeder ihrer Kunden war eine ganz eigene Reise in ein weit entferntes Land, in unglaubliche Geschichten und Vorkommnisse. So mussten sie nie die Insel verlassen, um Neues zu entdecken.

Der Blick könnte auch aus einem Film stammen. Er konnte sich gut mit mir unterhalten und zeigte mir Techniken der Feuerartistik.

Am zweiten Abend machte ich mich auf den Weg zum Weststrand, mit der Kamera in der Hand. Ich hatte keine Ahnung, wonach ich suchte, ich war ganz ohne Erwartungen. Kann ich dann eigentlich von Überraschung sprechen? Jedenfalls war genau an diesem Abend der Sonnenuntergang anmutig schön. Gepaart mit den Silhouetten der Boote, die in der Bucht ankerten, war es, als male ein Künstler mit den Farben der Sonne sein bestes Werk auf eine Leinwand. Im Anschluss an diese zutiefst befriedigende Tätigkeit führte mich mein Leben an eine Bar (es lag an einem Song, den ich zu dem Zeitpunkt noch nicht kannte). Ich setzte mich, bestellte Cocktails und wie es sich ergeben sollte, würde in Kürze eine Feuershow starten. Diese war im Gegensatz zu der Show auf Langkawi von höchster Qualität. Ich blieb sicher eineinhalb Stunden dort sitzen und warf bewundernde Blicke auf fünf verschiedene Feuerkünstler. Dieses Element zog mich immer wieder aufs Einfachste in den Bann.

Resümee

Insgesamt war es ein schöner, kurzer Aufenthalt mit vielen wertvollen Bekanntschaften. Leider war die Zeit auch verbunden mit einigen Opfern und Rückschlägen, vor allem der Sonnenbrand. Fast vergessen habe ich, dass diese Insel nie wirklich ruhig ist. Zum einen die Touristen, zum anderen die ganzen Longboats, die so krass laute Motoren haben, dass es auf Dauer einfach nur nervt. Der Müll ist nicht schön anzusehen, zum größten Teil sind es Plastikflaschen. Da kam ich spontan auf die Idee, dass ein globales Pfandsystem für dieses Problem sicher eine sinnvolle Maßnahme wäre. Was meinst du?

Die Menschen, die ich auf Koh Lipe traf, waren das Wertvollste für mich und machten mich glücklich. Das Essen war vorzüglich, die Natur über und unter Wasser hinterließ bei mir bleibenden Eindruck. Trotz der geschundenen Zehen und der anderen Nachteile würde ich wiederkommen, für eine genauso kurze Zeitspanne.

Aussicht

Am 17. Tag meiner Reise bin ich aufgebrochen nach Surat Thani, eine Stadt, die weiter nördlich liegt. Eine Stadt, die viele als Sprungbrett für die Inseln Koh Tao, Koh Samui und Koh Pha-ngan nutzen. Ich mag es hier – hier sind kaum Touristen. Aber es geht schon bald weiter Richtung Norden. Wohin genau erfährst du beim nächsten Mal!

2 Gedanken zu “Koh Lipe – ein völliger Reinfall?!

  1. Du hast mal wieder das Buch der Sinne aufgeschlagen, dir zu folgen, wieder einmal war es wie eine Praline, wie ein Gedicht des Lebens. Es gibt Mut was zu entdecken und die Welt zu sehen, Danke Martin.  P.S Statt dem Joint hätte ich mir ein Tattoo stechen lassen 😀

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